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Macht Agilität wirklich erfolgreich? Die Wissenschaft liefert eine klare Antwort.

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Seit vielen Jahren habe ich mit agilen Prozessen, Unternehmensorganisationen und Projektabwicklungen zu tun. Und meiner Erfahrung nach, zielen die entsprechende Ausbildung und Zertifizierung in die falsche Richtung. Der Fokus liegt stets auf der Methodik, eigentlich dreht sich aber alles um Unternehmenskultur. Eine umfassende Metastudie aus dem Vorjahr bestätigt meine subjektive Erfahrung nun objektiv.

Im Journal „Management Review Quarterly“ wurde das Paper „The organisational impact of agility: a systematic literature review” veröffentlicht. Dafür wurden 249 empirische Studien aus 26 Jahren Forschung (1998–2024) ausgewertet, um den Einfluss organisatorischer Agilität auf den Unternehmenserfolg zu untersuchen.

Agilität macht Unternehmen erfolgreicher – aber nicht direkt

Vorweg das vermutlich wichtigste Ergebnis der Metastudie: Agilität wirkt und zwar relativ eindeutig. 219 der 249 Studien (87,9 %) weisen einen überwiegend positiven Zusammenhang zwischen organisatorischer Agilität und Unternehmenserfolg nach. 10 % zeigen gemischte Ergebnisse und knapp 0,8 % deuten auf keinen Zusammenhang hin. Lediglich eine einzige Studie (0,4 %) identifiziert einen negativen Zusammenhang. Das heißt, der Zusammenhang zwischen agilen Strukturen und dem Erfolg eines Unternehmens ist empirisch stark untermauert.
Die positiven Effekte zeigen sich vor allem in diesen Bereichen:

  • finanzielle Performance
  • Innovationsfähigkeit
  • Wettbewerbsfähigkeit
  • operative Leistungsfähigkeit
  • digitale und technologische Transformation
  • Nachhaltigkeit
  • Mitarbeiterleistung

Agilität ist ein Gebot der Stunde!

Agile Unternehmen sind zudem resilienter und reagieren erfolgreicher auf Veränderungen. Darum verwundert es kaum, dass den Studien zufolge Agilität besonders dort Vorteile bringt, wo Unternehmen mit Unsicherheit, hoher Dynamik oder starkem Wettbewerb konfrontiert sind. In stabilen Märkten fällt ihr zusätzlicher Nutzen dagegen deutlich geringer aus.

Das ist ein ganz zentrales Finding der Studie. Wir befinden uns seit vielen Jahren in einer dauerhaften Umbruchphase. Es gibt einen Metatrend zur permanenten Transformation. Wer in einem stabilen Markt arbeitet, sollte glücklich sein, jedoch gibt es davon kaum noch welche. Agilität ist daher ein Gebot der Stunde!

Sie steigert den Unternehmenserfolg laut der Metastudie meist nicht unmittelbar, sondern über Verbesserungen in den oben angeführten Bereichen, die dann wiederum zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen führen.

Ein agiles Unternehmen braucht agile Bereiche und muss individuell zugeschnitten werden

Die Studie macht außerdem deutlich, dass organisatorische Agilität nicht auf Projektmanagementmethoden reduziert werden kann. Sie umfasst zahlreiche Unternehmensbereiche wie Strategie, Supply Chain, Produktion, Marketing, IT, Personal und Führung. Wirklich agile Unternehmen entwickeln diese Fähigkeiten bereichsübergreifend und nicht nur innerhalb einzelner Projektteams.

Die Autoren der Studie betrachten Agilität überwiegend als Dynamic Capability, also die Fähigkeit einer Organisation, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, Chancen zu nutzen und sich kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen anzupassen. Dem widerspricht die Herangehensweise vieler Berater oder Scrum Master, sich strikt an die methodische „Lehrmeinung“ zu halten.

Agilität ist keine penibel einzuhaltende Aneinanderreihung von Artefakten, Besprechungen und Sprints. Viel wichtiger ist die Frage der Unternehmenskultur: ein Mindset, wie man miteinander arbeiten und umgehen will. In der Begleitung agiler Projekte oder in der Transformation bislang gelebter Prozesse ist das meiner Erfahrung nach die viel wichtigere Frage. Solche Projekte zu leiten bedeutet vor allem, ein ausgezeichneter Kommunikator zu sein – um nicht zu sagen ein Psychotherapeut. Erfolgreiche Unternehmen passen auch daher ihre agile Organisation an ihre individuellen Rahmenbedingungen an, anstatt allgemeine Best Practices zu übernehmen.

Kultur vor Methodik!

Die Studie liefert einen wissenschaftlich fundierten Beleg dafür, dass Agilität einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann. Gleichzeitig widerspricht sie einem verbreiteten Missverständnis: Agilität besteht nicht im Einsatz einzelner Methoden wie Scrum oder Kanban, sondern in der Fähigkeit einer Organisation, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, sich flexibel anzupassen und ihre Ressourcen konsequent auf neue Anforderungen auszurichten.

Der nachhaltige Erfolg agiler Unternehmen entscheidet sich daher weniger durch die Einführung einzelner Frameworks als durch die Fähigkeit, Strategie, Führung, Prozesse und Unternehmenskultur konsequent auf Anpassungsfähigkeit auszurichten.

Mario Offenhuber, Geschäftsführer RIM Management KG

Quelle:
Nguyen, T. et al. (2025): The organisational impact of agility: a systematic literature review. Management Review Quarterly, Vol. 75, S. 2709–2757.

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FAQs

1. Macht Agilität Unternehmen wirklich erfolgreicher?

Ja. Eine wissenschaftliche Metastudie mit 249 empirischen Untersuchungen zeigt, dass organisatorische Agilität in knapp 88 % der Studien positiv mit dem Unternehmenserfolg zusammenhängt. Besonders profitieren Innovationsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und die finanzielle Performance.

2. Was versteht man unter organisatorischer Agilität?

Organisatorische Agilität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, Chancen zu nutzen und Strategie, Prozesse, Führung sowie Ressourcen flexibel an neue Marktbedingungen anzupassen. Sie geht deutlich über Methoden wie Scrum oder Kanban hinaus.

3. Welche Vorteile bringt organisatorische Agilität?

Zu den wichtigsten Vorteilen zählen eine höhere Innovationsfähigkeit, schnellere Anpassungsfähigkeit, bessere operative Leistungsfähigkeit, eine erfolgreichere digitale Transformation, höhere Wettbewerbsfähigkeit, resilientere Organisationen und langfristig bessere wirtschaftliche Ergebnisse.

4. Warum spielt Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle für Agilität?

Eine agile Unternehmenskultur fördert Eigenverantwortung, Transparenz, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und kontinuierliches Lernen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Erfolg agiler Organisationen stärker von Kultur und Führung als von einzelnen Methoden abhängt.

5. In welchen Unternehmen bringt Agilität den größten Nutzen?

Organisatorische Agilität entfaltet ihre größten Vorteile in Märkten mit hoher Unsicherheit, schnellem technologischem Wandel, intensivem Wettbewerb und komplexen Kundenanforderungen. In stabilen Märkten fällt der zusätzliche Nutzen deutlich geringer aus.