Selbst wer viel in Unternehmen herumkommt, wird diesen Befund bestätigen können: Keine Führungskraft, kein Manager, kein Projektverantwortlicher will nicht agil sein. Niemand möchte für Trägheit und Unbeweglichkeit stehen – und genau das wäre das Gegenteil von agil, oder?
Somit hat der Erfolg der Agilität auch mit ihrem Namen zu tun – aber ebenso ihr häufiges Scheitern. Dieser stellt sich dann ein, wenn man sich nicht im Detail mit der Methode auseinandersetzt und stattdessen auf eine als Flexibilität getarnte Sprunghaftigkeit setzt. Wer alle paar Tage Projektziel oder Prioritäten ändert, ist nicht agil, auch wenn’s gerne so verkauft wird.
Agilität ist ein immer wiederkehrender Kreislauf von Planung, Umsetzung und Review in kurzen Zyklen. Dabei zerlegt man große Lieferobjekte in kleine Teile, die in kurzen „Sprints“ (z. B. 14-tägig) abgearbeitet werden. Da ist kein Platz für Sprunghaftigkeit und unausgegorene Ideen. Jeder kleine Baustein ist im Detail zu beschrieben und alle zusammen müssen vom Product Owner in einem Backlog nach Priorität gereiht werden.
Hier geht es um konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten. Das ist gut beschrieben im sogenannten Scrum Guide – benannt nach der bekanntesten agilen Methode. Wenn es nicht klappt, hat das zumeist den folgenden Grund: Methodenschlamperei. Wenden sich Unternehmen dem agilen Ansatz zu, haben sie häufig ein sehr oberflächliches Verständnis davon, was das eigentlich ist. Oft kommt es zu einer Vermischung des „alten“ Wasserfallprinzips mit ein paar agilen Elementen. Typischerweise kombiniert man dabei die jeweils schlechtesten Teile der beiden Welten. Das führt zielsicher zu Frust und nicht funktionierender Zusammenarbeit.
Beim agilen Ansatz kann man nicht beliebig Prioritäten verändern, Liefertermine festlegen, noch bevor eine Anforderung vorliegt oder Anforderungen nur rudimentär beschreiben. Genauso wie bei der klassischen Projektarbeit bleibt einem auch beim agilen Ansatz die „Knochenarbeit“ von Anforderung, Analyse, Schätzung, exakter Umsetzung und Test nicht erspart. Nur eben in kürzeren Zyklen, damit man schneller Fehlentwicklungen entdeckt und direkter zum Ziel kommt.
Die wahre Stärke der Agilität
Wer das nicht versteht, ist beim Wasserfall besser aufgehoben. Lässt monate- oder jahrelang Anforderungen und Spezifikationen schreiben, diese formal abnehmen und schätzen. Die wahre Stärke von Agilität liegt darin, dass man sich diesen großen Aufwand zunächst spart. Man teilt die Aufgabe in kleine Schritte, formuliert dazu User Stories und lässt die Umsetzung beginnen. Ein sich langsam aufbauendes Backlog wird ruhig und professionell abgearbeitet.
Damit werden Umsetzung und Anforderung/Spezifikation parallelisiert. Daher kommt man jedenfalls schneller zum Ziel, aber als Unternehmen muss man den Mut aufbringen, nicht schon am ersten Tag zu wissen, was wann genau geliefert wird.
Das ist ein Paradigmenwechsel! Man gibt Verantwortung ab (an einen methodensicheren Product Owner, an ein Umsetzungsteam) und man bringt Vertrauen entgegen. Das ist der Geist der Agilität – nicht Chaos und Sprunghaftigkeit. Wer das nicht beherzigt, pflegt lediglich einen oberflächlichen Anstrich von Agilität. Der geht ganz sicher schief. In diesem Fall ist es besser, nach dem althergebrachten Wasserfallprinzip zu arbeiten. Auch das ist alles andere als träge und unbeweglich – eben anders.
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Die größte Schwäche liegt nicht in der Methode selbst, sondern in ihrer unsauberen Anwendung. Wenn Agilität mit Beliebigkeit oder ständig wechselnden Zielen verwechselt wird, scheitert sie.
Weil der Begriff positiv besetzt ist. Viele Unternehmen übernehmen nur den Namen, nicht aber die methodische Disziplin, die Agilität erfordert.
Nein. Agilität basiert auf klaren Rollen, festen Zyklen, sauber beschriebenen Anforderungen und konsequenter Priorisierung. Chaos ist ein Zeichen fehlender Methodentreue.
Ja, aber nur bewusst und reflektiert. In der Praxis werden häufig die jeweils schlechtesten Elemente beider Welten kombiniert – was zu Frust und Ineffizienz führt.
Wenn Anforderungen stabil, vollständig und langfristig planbar sind und ein hoher Bedarf an formaler Absicherung besteht, ist das Wasserfallmodell oft die bessere Wahl.
Die Stärke liegt in der Parallelisierung von Anforderung und Umsetzung, der schnellen Lernkurve und der Möglichkeit, früh Fehlentwicklungen zu erkennen – nicht im schnellen Ändern von Prioritäten.
Methodensicherheit (z. B. Scrum-Kenntnisse)
Klare Rollen (Product Owner, Team)
Vertrauen und Verantwortungsabgabe
Akzeptanz, nicht alles von Beginn an zu wissen