Sie können mit dem Begriff „Storytelling“ nicht viel anfangen? Sonntag Abend gab es im Finale des Africa Cup of Nations eine eindrückliche Demonstration, wie so ein Spannungsbogen aufgebaut wird.
Ganz kurz zur Theorie
„Storytelling“ bedeutet, dass eine handelnde Person mit einem Konflikt, einer Herausforderung konfrontiert wird. Es steht viel auf dem Spiel und man bewegt sich unweigerlich auf eine Entscheidung bzw. einen Wendepunkt zu. Auf dem Höhepunkt übernimmt ein Held, eine Heldin das Heft des Handelns. Zeigt was zu tun ist, lenkt die Energie ins Positive und gibt allen eine eindrückliche Botschaft mit. In der Unternehmenskommunikation ist der Ansatz sehr beliebt, weil sich Emotionen besser erzählen lassen als bloße Fakten.
Ausgangszustand und Ziel
Schon vor dem Finale des Afrikacups zwischen dem Senegal und Marokko in Rabat sieht sich die Mannschaft Senegals benachteiligt: Unterbringung, Sicherheitsstandards, Trainingsplatz, Anzahl der Karten für die senegalesische Fans – nichts ist so, wie man sich das von einem großen Turnier erwartet.
Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, steigert sich in der Nachspielzeit der Partie. Es steht noch 0:0, als der Senegal nach einem Eckball trifft. Der Schiedsrichter gibt das Tor aber nicht. Er hat zuvor ein Foul gesehen, das zumindest fragwürdig war und auch nicht – wie üblich – mit seinem Pfiff zugewartet, um nach einem möglichen Tor dem Videoschiedsrichter die Möglichkeit zur Überprüfung zu geben.
Konflikt und Herausforderung
Schlimmer kommt es ein paar Minuten später bei einem Eckball für Marokko. Hier greift der Videoreferee ein, und es wird nach einem eher harmlosen Zupfen am Gegner auf Elfmeter für Marokko entschieden. Es kommt zu einem wilden Durcheinander und Tumulten – am Feld und auf den Tribünen. Der Trainer des Senegal, Pape Thiaw, hat genug gesehen und schickt seine Mannschaft in die Kabine. Dem folgen fast alle Spieler, der Abbruch des Finales steht unmittelbar bevor.
Entwicklung
Und jetzt tritt der Held auf den Plan: Sadio Mané, Superstar im senegalesischen Team und früher u.a. für Salzburg, Liverpool und die Bayern aktiv, widersetzt sich seinem Trainer. Er ruft dazu auf, auf das Spielfeld zurückzukehren, holt seine Mitspieler persönlich aus der Kabine. In der 114. (!) Minute kann der Elfmeter endlich ausgeführt werden. Der marokkanische Spieler Brahim Diaz verschießt.
Es kommt zur Verlängerung, in der Pape Gueye für den Senegal mit einem Traumtor zum entscheidenden 1:0 trifft.
Bedeutung und Botschaft
Und damit stemmt Sadio Mané in seinem letzten Afrika Cup Spiel den Siegerpokal in den marokkanischen Nachthimmel obwohl er nach dem Willen seines Trainers, schon lange unter der Dusche hätte stehen sollen. So sieht der Held eines dramatischen Storytelling Plot aus. Kann man nicht besser erfinden. Und eine schöne Botschaft gibt es auch dazu: Besser sich in Würde einer drohenden Niederlage stellen, als sich schmollend wie ein kleines Kind zu entziehen. Vielleicht wird man am Ende doch belohnt.
Hier noch die Zusammenfassung des Dramas.
Storytelling bezeichnet die Vermittlung von Inhalten über Geschichten mit Konflikt, Entwicklung und einer klaren Botschaft, statt über reine Fakten.
Weil Geschichten Emotionen erzeugen, Orientierung geben und Inhalte nachhaltiger im Gedächtnis bleiben als abstrakte Informationen.
Ein klarer Ausgangszustand, ein Konflikt, ein Wendepunkt, eine handelnde Figur und eine sinnstiftende Botschaft.
Sport bietet klare Rollen, hohe Emotionen, Entscheidungen unter Druck und sichtbare Konsequenzen – ideale Bedingungen für dramatische Narrative.
Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und auch in Krisen handlungsfähig zu bleiben – statt sich der Situation zu entziehen.