Agilität meint „Keep it simple!“ – Jira ist das Gegenteil



29.4.2026

Eines der agilen Prinzipien lautet: „Einfachheit ist essenziell.“ Ich schätze diesen Ansatz sehr, weil er sicherstellt, dass man vor lauter Komplexität – seien es Tools, Prozesse oder Bürokratie – das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verliert.

Ich weiß, dass ich mit dieser Aussage einige vor den Kopf stoßen werde. Aber meiner Ansicht nach steht Jira als das Standard-Tool der agilen Produktentwicklung im Widerspruch zu diesem Einfachheitsprinzip. Jira kann enorm viel: Workflows definieren, Abhängigkeiten aufzeigen, Tasks zu Stories hinzufügen, Stories zu Epics bündeln, Sprints starten, Reports erstellen und vieles mehr.

Gleichzeitig schreckt Jira viele Nutzer ab. Es ist kein Tool, das man einfach intuitiv verwendet. Man muss sich damit beschäftigen, Schulungen besuchen, oft sogar Kurse absolvieren. In der Praxis kann Jira deutlich mehr, als tatsächlich benötigt wird. Es bringt damit auch eine gewisse Komplexität und „Ballast“ mit sich und ist nicht für alle Zielgruppen gleichermaßen geeignet. Gerade Kolleg*innen aus Non-IT-Bereichen haben häufig wenig Motivation, sich intensiv mit Jira auseinanderzusetzen.

Spätestens mit der Corona-Pandemie und der damit verbundenen explosionsartigen Zunahme von Online-Meetings hat Jira vielerorts die klassischen Scrum- oder Kanban-Boards ersetzt. Viele erinnern sich vermutlich noch an die großformatigen Plakate, auf denen Teams ihre Arbeit mit Post-its organisiert haben.

Im Kern waren diese Boards eine perfekte Umsetzung des Prinzips „Einfachheit ist essenziell“: Ein farbiges Stück Papier mit einer kurzen Aufgabenbeschreibung, einem groben Aufwand und einem Namen, platziert in der passenden Spalte (Backlog, Analyse, Development, Test, Deployment, Done). Mehr braucht es nicht, um im täglichen Stand-up den Fortschritt zu besprechen oder im Planning die Arbeit für den nächsten Sprint zu strukturieren.

In meinen Projekten setze ich daher – sofern es sinnvoll ist und sich ein „Jira-Over-Engineering“ vermeiden lässt – bewusst auf einfachere Tools, etwa Padlet. Ein Board pro Sprint ist in wenigen Minuten angelegt, kann unkompliziert geteilt werden und funktioniert ohne komplexe Berechtigungsstrukturen. Jeder kann sein „digitales Post-it“ erstellen, erläutern, verschieben oder weitergeben.

Diese Form der Visualisierung ist zudem problemlos bis ins Management-Steering anschlussfähig.

Einfach, klar, wirksam. Wenn 80 % des Aufwands ausreichen, um 100 % der Aufgabe zu erfüllen, sollte man keinen unnötigen Mehraufwand betreiben. Oder, wie man im Pferdesport sagt: „Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss.“

Mario Offenhuber, Geschäftsführer RIM Management

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FAQs
1. Warum wird Jira oft als zu komplex empfunden?

Jira bietet sehr viele Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten, die für viele Teams überdimensioniert sind. Ohne Schulung ist die Nutzung oft nicht intuitiv, was besonders Nicht-IT-Nutzer abschrecken kann.

2. Was bedeutet das agile Prinzip „Keep it simple“ konkret?

Es bedeutet, Prozesse, Tools und Kommunikation so einfach wie möglich zu halten, um den Fokus auf den tatsächlichen Mehrwert und das Ziel der Arbeit nicht zu verlieren.

3. Welche Alternativen zu Jira gibt es für agiles Arbeiten?

Einfachere Tools wie Padlet, Trello oder physische Kanban-Boards bieten oft ausreichend Funktionen, sind schneller einsetzbar und fördern die Zusammenarbeit ohne große Einarbeitung.

4. Für welche Teams ist Jira sinnvoll?

Jira eignet sich besonders für große, technisch geprägte Teams mit komplexen Anforderungen, vielen Abhängigkeiten und Bedarf an detailliertem Reporting.

5. Wie kann man agile Prozesse vereinfachen, ohne an Effizienz zu verlieren?

Indem man sich auf das Wesentliche konzentriert: klare Aufgaben, transparente Visualisierung, einfache Tools und minimale Prozessregeln – ganz im Sinne von „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“.