KI und Arbeit: Gibt es morgen noch welche und wenn ja, wieviel davon?



17.2.2026 – 2019 habe ich den Philosophen Richard David Precht getroffen und interviewt. Vieles von dem, was er damals vorhersagte, kommt uns gerade gefährlich nahe.

Etwas mehr als ein halbes Jahr vor der Corona-Pandemie war ich beim Finanzsymposium in Mannheim. Beim Begrüßungskaffee sah ich den deutschen Philosophen Richard David Precht allein auf einem Sofa sitzen. Er war dort, um die Keynote zu halten. Ich war dort, um das und weitere Inhalte der Veranstaltung redaktionell festzuhalten – für die Zeitschrift TreasuryLog von SLG, die wir seit Jahren in Content Creation und Publishing begleiten.

Ich setze mich also hin, um mich mit ihm zu unterhalten. Der Einstieg war nicht schwer – es war der Tag, an dem in Österreich der „FPÖ-Ibiza-Skandal“ publik wurde. Später haben wir ein spannendes Interview geführt, über die Zukunft der Arbeit und welche Rolle in diesem Kontext die Digitalisierung spielt.

Damals war Künstliche Intelligenz noch ein theoretisches Konstrukt ohne praktische Anwendung. Precht prognostizierte dennoch umwälzende technologische Veränderungen, die unsere Gesellschaftsordnung auf eine harte Probe stellen werden. Digitalisierte Prozesse werden Aufgaben übernehmen, die bislang Menschen leisten. „Viele werden ihre Arbeit verlieren, ich bin mir erschreckend sicher in dieser Sache“, war seine Aussage. Es werde zu gesellschaftlichen Verwerfungen kommen und zur Umkehrung dessen, was am Arbeitsmarkt gefragt sein wird: „Der größte Arbeitsmarkt der Zukunft betrifft „Empathie-Berufe“, nicht den MINT-Bereich.“

Um Unruhen und Verelendung zu vermeiden, sei ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, so Precht, auch um die Konsumausgaben nicht einbrechen zu lassen, wenn viel weniger Menschen Arbeit haben.

Dann kam die Pandemie und wir sahen Verwerfungen ganz anderer Art. In meinem Kopf ist der mögliche Zusammenhang von Digitalisierung und Massenarbeitslosigkeit weit nach hinten gerutscht.

KI wird menschliche Arbeit ersetzen

Heute habe ich den Artikel allerdings wieder hervorgekramt, nachdem ich gleich mehrere Beiträge zu dem Thema gelesen habe: Dass Consulting Unternehmen im großen Stil Arbeitsplätze – v. a. in der Analyse und Datenaufbereitung – durch KI ersetzen, dass Marketing keine Menschen mehr braucht, die Marketing machen, sondern KI-System Operators oder dass sämtliche Assistenz-Jobs künftigen OpenClaw Entwicklungen Platz machen müssen.

Sind wir also so weit, dass die Prophezeiung aus dem Jahr 2019 beginnt Realität zu werden? Und was bedeutet Prechts Verweis auf die Bedeutung der Empathie für die Arbeitswelt der Zukunft?

Mal ganz, ganz kurz am Beispiel unseres Unternehmens beschrieben: Was wir hier bei RIM Management machen ist Unternehmenskommunikation und Projektmanagement. Kann die KI Projektmanagement? Technik und Hard Skills auf jeden Fall. Einen Projektplan erstellen, Meetings organisieren und abhalten, Protokolle verfassen, Entscheidungsunterlagen vorbereiten, Dokumentation usw. Das sollte alles kein Problem für einen Algorithmus sein. Soft Skills? Na ja, was ist die wichtigste Eigenschaft eines guten Projektmanagers (zumindest aus meiner Sicht)? Er/sie muss ein Kommunikationstalent sein. Sprechen, Emotionen rausnehmen, Missverständnisse klären, motivieren, Unwichtiges von Wichtigem trennen usw. Das kann keine KI. Von daher fühle ich mich auch bestätigt in meiner Annahme, dass Kommunikation wichtiger ist als Technik. Ich hielt nie was von der Aussage, „Ich kann MS-Project und daher bin ich Projektmanager“. Die KI ist sicherlich perfekt in MS-Project. Mir ist die Software egal. Sie rettet kein Projekt – Kommunikation schon.

Und Unternehmenskommunikation? Ja, KI ist perfekt in Content Creation und dabei unfassbar schnell. Auch die Qualität ist für den einen oder anderen Anwendungsbereich ausreichend. Aber: Viele Kunden wollen keine KI-Texte. Wir haben eben ein Angebot gelegt, wo das explizit hinterfragt wurde: „Keine KI, sonst seid ihr draußen.“ Meine Prophezeiung: KI wird Content-Massengeschäft; der „echte“ Content Creator wird die Qualitätsbewussten beliefern. Das alles ist nur eine Momentaufnahme aus dem Februar 2026. Aber es ist ganz klar: Wir leben in einem fundamentalen Umbruch – mit offenem Ende.

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FAQs
Wird die Prophezeiung von Richard David Precht zur Massenarbeitslosigkeit durch KI Realität?

Der Artikel greift Prechts Prognose aus dem Jahr 2019 auf und stellt sie in den Kontext aktueller Entwicklungen 2026. Erste Substitutionseffekte – etwa in Analyse, Datenaufbereitung und Assistenzfunktionen – sind sichtbar. Ob es tatsächlich zu Massenarbeitslosigkeit kommt, bleibt jedoch offen.

Warum gewinnen Empathie-Berufe laut Precht an Bedeutung?

Technische und analytische Aufgaben lassen sich zunehmend automatisieren. Berufe, die auf Kommunikation, sozialer Interaktion, Motivation und Konfliktlösung beruhen, sind schwerer durch KI ersetzbar und könnten daher an Relevanz gewinnen.rtung.

Kann KI Projektmanagement vollständig übernehmen?

KI kann operative Aufgaben wie Projektpläne, Protokolle oder Terminorganisation effizient abwickeln. Die zentrale Rolle von Kommunikation, Führung und situativer Entscheidung bleibt jedoch eine menschliche Kernkompetenz.

Wird KI die Unternehmenskommunikation verdrängen?

KI kann Content schnell und kosteneffizient produzieren. Gleichzeitig wächst bei qualitätsbewussten Auftraggebern das Bedürfnis nach authentischer, strategisch durchdachter Kommunikation. Der Artikel argumentiert, dass sich der Markt segmentieren wird: Massencontent vs. Qualitätscontent.

Welche Kompetenzen werden in einer KI-geprägten Arbeitswelt wichtiger?

Neben technischem Verständnis gewinnen Kommunikationsfähigkeit, Urteilskraft, strategisches Denken, Führungskompetenz und emotionale Intelligenz an Bedeutung. Diese Fähigkeiten sind schwer automatisierbar.

Bedeutet der KI-Einsatz zwangsläufig Qualitätsverlust?

Nicht zwingend. KI kann standardisierte Inhalte und Prozesse in hoher Geschwindigkeit liefern. Gleichzeitig entsteht ein Qualitätsmarkt, in dem individuelle, kontextbezogene und strategisch durchdachte Leistungen bewusst nachgefragt werden.